
1. Was hat Sie motiviert, an der IAA MOBILITY 2025 teilzunehmen? Und was erwarten Sie sich von Ihrer Teilnahme?
Die IAA MOBILITY ist eine einzigartige Gelegenheit, mit den Menschen und Ideen in Kontakt zu treten, die die Zukunft der Mobilität gestalten. Als jemand, der sich leidenschaftlich für die Schnittstelle von Wissenschaft, Nachhaltigkeit und Zusammenarbeit interessiert, freue ich mich darauf, mit anderen ins Gespräch zu kommen, die sich ebenso stark für die Beschleunigung des Übergangs zur E-Mobilität einsetzen. Wir freuen uns auf bedeutungsvolle Diskussionen über die Dekarbonisierung der Produktion, die Steigerung der Effizienz in der Fertigung, das verantwortungsvolle Skalieren von Innovationen und darüber, wie Nachhaltigkeit zu einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte werden kann.
2. Welches Mobilitätskonzept inspiriert Sie derzeit am meisten und warum?
Besonders inspiriert mich der wachsende Fokus auf Kreislaufwirtschaft in der Mobilität. Es ist ermutigend zu sehen, dass die Branche beginnt, über reine Fahrzeugleistung hinauszublicken und den gesamten Lebenszyklus zu berücksichtigen – von Design und Produktion bis hin zu Wiederverwendung und Recycling. Mit Dow MobilityScience™ tragen wir zu diesem Wandel bei, indem wir Materialien entwickeln, die Recycling unterstützen, Demontage ermöglichen und sich in geschlossene Kreislaufsysteme einfügen. Es geht nicht nur darum, bessere Fahrzeuge zu bauen, sondern unseren Kunden Lösungen an die Hand zu geben, die wirklich nachhaltig und langfristig tragfähig sind.
Ein Beispiel, auf das ich besonders stolz bin, ist unsere Arbeit an zirkulären Sitzlösungen. Wir haben Polyurethanschaumstoffe wie SPECFLEX™ CIR, hergestellt aus recycelten Mobilitätsabfällen, und INFINAIR™ 3D Loop – Polyolefin-basierte Materialien, die atmungsaktiv und für mechanisches Recycling ausgelegt sind – entwickelt. Diese Innovationen helfen unseren Kunden, Leistungs- und Nachhaltigkeitsziele ohne Kompromisse zu erreichen, und zeigen, was möglich ist, wenn man den gesamten Fahrzeuglebenszyklus im Blick hat.
3. Welche Innovationen in Ihrem Bereich werden in den nächsten fünf Jahren die urbane Mobilität am stärksten verändern?
Hochleistungsmaterialien werden weiterhin eine entscheidende Rolle dabei spielen, die nächste Generation urbaner Mobilität zu ermöglichen. Die Weiterentwicklung der Batteriearchitekturen – wie Cell-to-Pack- und Cell-to-Vehicle-Designs – verändert unsere Vorstellungen von Leistung und Effizienz. Doch diese Innovationen sind nur mit den richtigen Materialien möglich: Klebstoffe, Schäume, Vergussmassen und Dichtstoffe, die enge Räume, hohe Temperaturen und langfristige Haltbarkeit bewältigen können. Mit dem Wachstum geteilter und autonomer Flotten wird der Druck steigen, intelligentere, leichtere und sicherere Systeme zu entwickeln. Materialwissenschaft ist der stille Ermöglicher hinter diesem Fortschritt – und es ist aufregend, ein Teil davon zu sein.
4. Wie fördern Sie die Integration verschiedener Mobilitätsformen, um eine nahtlose und effiziente Verkehrsinfrastruktur zu schaffen?
Auch wenn wir keine Infrastruktur direkt entwerfen, sind unsere Materialien die Grundlage dafür, dass diese Verkehrslösungen effizient, kosteneffektiv und zuverlässig sind. Ob längere Batterielebensdauer, schnelleres Laden oder leisere Innenräume – wir antizipieren die Bedürfnisse multimodaler Flotten und entwickeln unsere Lösungen entsprechend. Zudem arbeiten wir mit OEMs aus verschiedenen Segmenten – vom Pkw über Busse bis hin zur Mikromobilität – zusammen, um sicherzustellen, dass unsere Lösungen vielseitig sind und die Anforderungen einer vernetzten Welt erfüllen.
5. Welche Rolle spielen öffentliche und private Partnerschaften bei der Förderung innovativer Mobilitätslösungen?
Zusammenarbeit ist entscheidend. Keine Organisation kann die Dekarbonisierung der Mobilität alleine bewältigen – nur Zusammenarbeit ermöglicht die Entwicklung von Lösungen, die echte Veränderungen bewirken können. Bei Dow arbeiten wir eng mit OEMs, Zulieferern und dem weiteren Ökosystem zusammen, um Materialien unter realen Bedingungen zu entwickeln – auf der Straße und sogar auf der Rennstrecke.
Unsere Partnerschaft mit Jaguar TCS Racing in der Formel E ist ein großartiges Beispiel dafür. Sie dient als intensives Testfeld, das uns hilft, Innovationen zu beschleunigen und Produktentwicklungszyklen zu verkürzen. Solche Partnerschaften sind der Ort, an dem Wissenschaft auf Sinnhaftigkeit trifft – und wo wir die Zukunft der Mobilität entstehen sehen.
6. Was sind die größten Herausforderungen, mit denen Sie in Ihrem Segment derzeit konfrontiert sind, und wie gehen Sie damit um?
Die Balance zwischen Leistung, Sicherheit und Nachhaltigkeit ist eine ständige Herausforderung – insbesondere da EV-Designs zunehmend komplexer werden. Um diese Herausforderung zu meistern, investieren wir weiterhin in unsere lokalen Produktionsstandorte und verfolgen einen systemischen Ansatz über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg – von der Materialentwicklung und Bauteiltechnik bis hin zu Recyclinginfrastruktur und End-of-Life-Rückgewinnung.
Gleichzeitig entwickelt sich die regulatorische Landschaft rasant. Wir sehen wachsenden Druck, strengere Umwelt- und Sicherheitsstandards in verschiedenen Regionen einzuhalten. Das erhöht die Komplexität, schafft aber auch Chancen für Innovationen. Wir richten unsere Innovationspipeline an den sich entwickelnden politischen Rahmenbedingungen aus und arbeiten aktiv mit Regulierungsbehörden und Industriepartnern zusammen, um realistische, wissenschaftsbasierte Regelungen mitzugestalten, die Fortschritt ermöglichen, ohne die Machbarkeit zu gefährden.
7. Wie wichtig ist Ihnen die Nutzererfahrung und wie sammeln und integrieren Sie Nutzerfeedback?
Die Nutzererfahrung ist entscheidend. Verbraucher achten zunehmend sowohl auf Nachhaltigkeit als auch auf Leistungsmerkmale, wenn sie sich für ein Fahrzeug entscheiden – insbesondere diejenigen, die erstmals in die E-Mobilität einsteigen. Gleichzeitig prägen Ruhe und Komfort, die zunehmend mit Fahrzeugen im Elektrozeitalter verbunden werden, das Qualitätsverständnis neu – und der Nutzer steht im Mittelpunkt dieser Erfahrung.
Daher ist ein ganzheitlicher Ansatz im Fahrzeugdesign – und damit auch in der Materialentwicklung – notwendig. Dazu gehören Akustikdämmung, Innenraumkomfort und Gewichtsreduzierung, die jeweils direkt beeinflussen, wie Fahrer und Passagiere Qualität wahrnehmen. Dieses Feedback sammeln wir über OEMs, Zulieferer und Feldtests. Diese Erkenntnisse helfen uns, Formulierungen so zu verfeinern, dass wir leise, leichte und sichere E-Fahrzeuge liefern können – und gleichzeitig Nachhaltigkeit und Produktionseffizienz im Gleichgewicht halten.
8. Welches wichtige Zukunftsthema erhält Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit?
Wir haben eine äußerst spannende Gelegenheit, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, wie Werkstoffunternehmen wie unseres der Branche helfen, die Fahrzeugkonstruktion neu zu denken und die Nachhaltigkeitsbilanz von Unternehmen voranzubringen. Viele Verbraucher treffen eigene Entscheidungen für ein nachhaltigeres Leben. Deshalb ist es wichtig, die guten Fortschritte aufzuzeigen, die bereits gemacht werden, damit sie fundierte Entscheidungen treffen können. Jahrzehntelang war eine einfache Demontage am Ende der Fahrzeuglebensdauer kein vorrangiges Ziel; es war schwierig, Materialien zu trennen, und die Verwendung bestimmter Verbindungstechniken machte Recycling und Abfallreduzierung zu einer großen Herausforderung.
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit der Branche hier ein Umdenken einzuleiten. Ein End-to-End-Ansatz mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft – von der Materialentwicklung über die Produktion und den Einbau im Fahrzeug bis hin zur Wiederverwendung – ist notwendig, um echte Veränderungen zu bewirken. Einzelne Komponenten isoliert anzupassen, ist nicht effizient und bringt nicht die Ergebnisse, die für echten Fortschritt erforderlich sind. Es motiviert uns sehr, unsere Durchbrüche zu teilen und die Branche dabei zu unterstützen, ihre Nachhaltigkeitsziele sowohl kurzfristig als auch langfristig zu erreichen.
9. In welchem Bereich der Mobilität sehen Sie das größte Potenzial – und wo besteht der größte Verbesserungsbedarf?
Das EV-Batteriepaket birgt hier enormes Potenzial – und es besteht ein kontinuierlicher Bedarf an Innovation und Verbesserung der zugrunde liegenden Technologie. Es ist das Herzstück des Fahrzeugs und der Haupttreiber für Kosten und Emissionen. Indem wir neu denken, wie Batterien hergestellt, genutzt und wiederverwendet werden, können wir enorme Nachhaltigkeitsgewinne freisetzen. Doch dafür ist branchenübergreifende Zusammenarbeit notwendig – OEMs, Zulieferer, Recycler und Regulierungsbehörden müssen gemeinsam daran arbeiten, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.
10. Die IAA MOBILITY ist die führende globale Mobilitätsplattform, die Innovatoren aus allen Bereichen der Mobilität zusammenbringt. Mit wem möchten Sie im kommenden September in Kontakt treten und warum?
Die Zukunft der Mobilität hängt von intensiver Zusammenarbeit ab – davon, Kundenbedürfnisse mit zweckmäßigen Produkten zu erfüllen, unterstützt durch sichere, lokale Lieferketten und Innovation. Besonders freue ich mich auf Gespräche, die unser Denken herausfordern und neue Ideen anstoßen – denn dort beginnen die wirklichen Durchbrüche.