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Lohnt sich der Umstieg aufs E-Auto – auch finanziell?

Die Verkaufszahlen zeigen: E-Autos werden immer beliebter. Aber wie steht es mit den Anschaffungskosten? Die wichtigsten Dinge, die man bei einem Kauf berücksichtigen sollte.

Die EU-Entscheidung zum de-facto Aus von Neuzulassungen für Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 macht es definitiv: E-Mobilität ist die Zukunft im europäischen Individualverkehr. Und auch die Zahl der weltweit zugelassenen E-Autos nimmt stetig zu. Wurden im Jahr 2020 noch gut 3,1 Millionen rein batterieelektrische Pkw (BEV) und Plug-In-Hybride (PHEV) zugelassen, waren es 2021 schon rund 6,5 Millionen.

Dennoch – geht es um den Kauf eines Elektroautos, bleiben viele Fragen offen: Wie groß sind die Preisunterschiede? Wie steht es um staatliche Prämien und steuerliche Begünstigungen? Und wie viel Geld bekommt man für sein E-Auto, wenn man es nach einigen Jahren wieder verkaufen möchte? Ein Überblick.

Anschaffungskosten

Bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs wandert der Blick für gewöhnlich zuerst Richtung Kaufpreis.

Generell sind Neuwagen im Elektrosegment noch immer teurer als vergleichbare Diesel oder Benziner – für gewöhnlich beträgt der Unterschied mehrere Tausend Euro. Ein Grund dafür sind die vergleichsweise niedrigen Stückzahlen in der Elektro-Produktion, die zu geringeren Skaleneffekten führen. Ein anderer Grund sind die Batterien. Sie sind so etwas wie das Herzstück des Elektroautos und machen aufgrund ihrer aufwendigen Produktion einen wesentlichen Anteil des Kaufpreises aus. Doch die Entwicklung der Batterien machte zuletzt große Fortschritte, weshalb ihre Herstellungskosten gesunken sind. Lagen sie laut einer Analyse des Marktforschungsinstituts Bloomberg NEF 2010 noch bei etwa 1.200 US-Dollar (etwa 1.178 Euro) pro Kilowattstunde (kWh) Energie, waren es 2021 nur noch rund 132 Dollar (etwa 130 Euro) – ein Abfall um 89 Prozent. In manchen Preisklassen können E-Autos damit schon mit ihren Verbrenner-Geschwistern mithalten.

Bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs wandert der Blick für gewöhnlich zuerst Richtung Preis - das gilt auch für E-Autos. © Annie Spratt on Unsplash

Oberklasse oder Kompaktwagen?

Je teurer das Auto, desto kleiner der Preisunterschied zwischen Elektroantrieb und Verbrenner. Der Grund: Bei teureren Fahrzeugen wie Sportwagen, Limousinen oder großen SUV fallen die Kosten für die Batterie nicht so stark ins Gewicht. Vielmehr kann es hier sogar vorkommen, dass die elektrische Variante abzüglich der Prämien und der geringeren Betriebskosten auf lange Sicht günstiger ist (ADAC-Vergleichstest siehe unten). Wer für seinen nächsten Autokauf also eine größere Anschaffung plant, sollte sich die Angebote genau anschauen.

Prämien und Steuervorteile

Auch wenn die Unterstützung allmählich abgesenkt wird: Viele Länder fördern den Erwerb von E-Autos nach wie vor finanziell. In China beispielsweise wird derzeit über eine Fortührung der E-Auto-Prämie diskutiert, die sich aktuell auf umgerechnet etwa 1.270 Euro beläuft. Eigentlich hätte sie Ende des Jahres 2022 auslaufen sollen. In Norwegen fällt die Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis noch bis Anfang 2023 fast vollständig weg, dazu winken Steuervorteile. In den USA werden E-Autos bis zu einem Kaufpreis von bis zu 80.000 Euro mit bis zu 12.500 US-Dollar (etwa 12.250 Euro) gefördert, auch hier kommen Steuervorteile dazu. 

In Deutschland gibt es die Umweltprämie. Bislang bekommen Käufer einen Zuschuss von bis zu 6.000 Euro beim Kauf eines neuen, förderfähigen E-Autos. Die Kosten dafür übernehmen Hersteller und Staat. Doch die amtierende Regierung denkt den Umweltbonus derzeit neu. Ab kommendem Jahr gilt er dann nur noch für rein batterieelektrische Pkw; die Förderhöhe liegt ab dann bei 3.000 bis 4.500 Euro. Der Umweltbonus gilt noch bis Ende des Jahres 2024 – allerdings nur sofern der Fördertopf in Höhe von 2,5 Milliarden Euro noch nicht ausgeschöpft ist.

Laut ADAC-Test langfristig günstiger als seine Verbrenner-Geschwister: Der Opel Mokka-e. © Opel

Kfz-Versicherung

Genauso wie bei Verbrennern werden in Deutschland auch bei E-Autos die Kfz-Versicherungskosten anhand des Unfallrisikos des Versicherungsnehmers errechnet. Ausschlaggebend dafür sind vor allem der jeweilige Fahrzeugtyp, die regionalen Gegebenheiten und das individuelle Unfallrisiko des versicherten Fahrers. Beim Fahrzeugrisiko fiel die Einstufung von E-Autos bisher moderat aus, da die Erfahrungswerte für E-Autos im Verkehr noch gering sind. Sollten sich die statistischen Unfallzahlen für E-Autos auch künftig als niedrig herausstellen, wäre hier sogar mit weiteren Kostenvorteilen zu rechnen. Moderne Technik und leistungsstarke Assistenzsysteme könnten das begünstigen.

Betriebskosten

Bei den laufenden Betriebskosten können E-Autos mit klaren Kostenvorteilen punkten. Bezüglich des Treibstoffs hängen die Einsparpotenziale allerdings stark vom jeweiligen Fahrverhalten und den Lademöglichkeiten ab. Wer an der heimischen Wallbox lädt, dürfte für gewöhnlich deutlich unter den normalen Spritkosten liegen. Auch bei vielen Arbeitgebern oder öffentlichen Ladesäulen vor Einkaufszentren oder Hotels sind die Preise gering. In Schnellladeparks oder an öffentlichen Ladesäulen von fremden Anbietern kann es jedoch auch mal teurer werden. Der vom ADAC verwendete Durchschnittspreis pro Kilowattstunde liegt bei 36 Cent.

Bei der Wartung und Pflege ist die Sache eindeutig. E-Autos verfügen über deutlich weniger Bauteile und sind deshalb weniger pflegeintensiv und günstiger: kein Ölwechsel, keine Abgasuntersuchung, keine Verschleißteile wie Getriebe, Keilriemen oder Zündkerze. Dazu kommt, dass E-Autos aufgrund ihrer Fähigkeit zur Rekuperation, also der Energierückgewinnung über den Motor, seltener bremsen müssen – was wiederum die Bremsen schont. Insgesamt muss das E-Auto seltener in die Werkstatt, was das Portemonnaie schont.

Der ID.3 von Volkswagen kann auf lange Sicht laut ADAC-Test gegenüber dem Golf (1.5 eTSI 2.0 TDI) mit Kostenvorteilen Punkten. © Volkswagen

Wiederverkaufswert

Auch E-Autos verlieren im Laufe ihrer Nutzung an Wert. Wie viel, lässt sich bisher jedoch kaum beziffern. Auch hier fehlen ausreichende Daten, da der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos noch sehr klein ist. Viele Experten gehen jedoch davon aus, dass die Preise für Gebrauchtwagen in Zukunft eher gering ausfallen werden. Grund hierfür sind ihrer Einschätzung nach die hohen Förderungen, die auf Neuwagen gewährt werden und somit die Nachfrage nach Gebrauchten drücken. Ein Effekt, der noch etwas länger anhalten dürfte. Die derzeitigen Förderungen in Deutschland zum Beispiel laufen erst 2025 aus.

Langfristige Kostenvorteile?

Anschaffungskosten, Umweltbonus, Kfz-Steuer, Betriebskosten und Wiederverkaufswert – rechnet man alle Kosten zusammen, können sich E-Autos gegenüber ihren Verbrenner-Geschwistern durchaus sehen lassen. Das zeigt auch eine aktuelle Untersuchung des ADAC, die die Kosten von ausgewählten Modellen und verschiedenen Herstellern vergleicht. Das Ergebnis: E-Autos (und Plug-In-Hybride) fahren oft überraschend günstig – dank Umweltbonus manchmal sogar günstiger als Verbrenner.

Als Grundlage für den ADAC-Kostenvergleich wurde eine durchschnittliche Haltedauer von 5 Jahren mit einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern veranschlagt. Die Kosten werden in Cent pro Kilometer angegeben. Im herstellerinternen Kostenranking gibt es dabei einige Elektro-Gewinner, wie den ID.3 Pro (43,7 Cent pro Kilometer), der seine beiden Verbrenner-Brüder, den Golf 1.5 eTSI (51,7 Cent pro Kilometer) und den Golf 2.0 TDI (55,6 Cent pro Kilometer) klar unterbietet. Bei Renault setzt sich der vollelektrische Zoe (39,4 Cent) ebenfalls gegen den Verbrenner-Clio (41,3 Cent) durch. Und auch bei Opel ist der Mokka als e-Edition (44,7 Cent) etwas günstiger als in der Benziner- oder Diesel-Variante (46,4 bzw. 44,8 Cent). Anders bei Kia: Hier ist der e-Niro (46,5 Cent) etwas teurer als die Verbrenner-Option (45,4 Cent). Alle Ergebnisse des Vergleichs gibt es hier.

(Aufmacherfoto: © Jorik Kleen / Unsplash)