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Accenture-Studie: Wie softwaredefinierte Fahrzeuge neue Geschäftsmodelle hervorbringen

OEMs müssen im Zuge des Mobilitätswandels ihre Rolle neu definieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Insbesondere softwaredefinierte Fahrzeuge, d.h. Fahrzeuge, deren bestimmte Parameter und Funktionen über Software gesteuert werden können, liegen im Trend. Angesprochen sind hier vor allem neue Akteure in der Automobilindustrie und Technologieunternehmen, die diese neue Welt der digitalen Mobilität, der Erlebnisse und der Dienstleistungen erkunden wollen.

Um herauszufinden, wie gut die etablierten OEMs vorbereitet sind, hat Accenture Interviews mit Führungskräften aus der Automobilindustrie geführt und umfangreiche Sekundärforschung sowie wirtschaftliche Modellierungen durchgeführt. Accenture ist in diesem Jahr Partner der IAA MOBILITY und Platin-Sponsor der Hauptbühne in der Halle A1 auf der IAA Conference.

OEMs müssen ein Nutzererlebnis im Auto schaffen

Das Ergebnis der Accenture-Studie: Es geht nicht mehr darum, wer das "beste Auto" in Bezug auf Leistung, Hardware und Output verkauft. Die Unternehmen, die ihren Kunden das beste Gesamterlebnis mit ihren Mobilitätslösungen bieten - und das so schnell wie möglich - werden in Zukunft am erfolgreichsten sein.

Automobile Technologie-Stacks, d.h. die Summe der Technologien, die zur Erstellung und Ausführung von Softwareanwendungen verwendet werden, gehen oft weit über das Fahrzeug selbst hinaus und umfassen alles, was für die Bereitstellung von vernetzten, digitalen Erfahrungen und Diensten notwendig ist. Dazu gehören Cloud-Anwendungen, V2X-Kommunikation, UX, Serviceanwendungen wie Fahrerassistenzsysteme sowie Fahrzeug- und Softwareplattformanwendungen. Accenture rät den OEMs, klar zu definieren, wie viel autonome Kontrolle sie bei der Entwicklung von Technologie-Stacks für ihre Produkte behalten wollen.

Accenture sieht für OEMs vier Handlungsoptionen:

  1. OEMs bauen die gesamte technologische Infrastruktur selbst auf - vom kompletten Produkt bis zu allen Diensten, von der Hardware bis zum Cloud-Backend.
  2. Die OEMs behalten die Kontrolle über die fahrzeuginternen Dienste und arbeiten mit Partnern zusammen. Dazu wird ein Open-Source-Projekt gestartet, um die gesamte Software und die Dienste zu entwickeln und bereitzustellen, und die Entwicklung der Softwareanforderungen auszulagern. Nach Angaben von Accenture verfolgen Mercedes-Benz und BMW diesen Weg. Sie sehen keinen Nutzen darin, ein eigenes Betriebssystem oder ein Cloud-Framework zu entwickeln (z. B. aus Gründen der Skalierbarkeit). Stattdessen gehen sie Partnerschaften mit externen Anbietern wie Google für Android Automotive ein oder setzen ganz auf Open Source.
  3. Die Verarbeitung und Analyse der Daten, die Fahrer für softwaredefinierte Fahrzeuge benötigen, erfordern fortschrittliche Datenmanagement-Funktionen sowie künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen. Accenture sieht daher einen sinnvollen Ansatz darin, dass die OEMs ihre Anstrengungen auf die Entwicklung hochspezialisierter Dienste richten, die auch mit Hard- und Software von Drittherstellern betrieben werden können. Waymo und Pony.AI sind Beispiele für diesen Ansatz. Beide bieten einen fortschrittlichen Software-Stack an, der KI und maschinelles Lernen nutzt, um autonomes Fahren zu ermöglichen. In ähnlicher Weise zielt Baidu's Apollo darauf ab, ein Äquivalent zu einem Gerätebetriebssystem wie Android zu sein, allerdings für softwaredefinierte Fahrzeuge.
  4. OEMs stellen eine Plattform für Hardware, Software oder eine Kombination aus beidem für andere zur Verfügung, oder sie öffnen ihre eigene Plattform für andere. Ungebrandete "White Label"-Angebote werden an andere verkauft, die sie dann unter ihrem eigenen Label vermarkten. Accenture sieht viele verschiedene Varianten dieses Archetyps, darunter solche von Anbietern wie Flextronics und Qualcomm für autonome Fahrsysteme.

Accenture auf der IAA MOBILITY

Alle Ansätze aus dem Bericht von Accenture zeigen: Die Automobilindustrie verändert sich mit Software-definierten Fahrzeugen an vielen Fronten. Sie alle zielen darauf ab, einzigartige Nutzererlebnisse zu schaffen und die Mobilität der Zukunft voranzutreiben. Um all dies und mehr zu erreichen, müssen die heutigen Geschäftsmodelle jedoch neu erfunden werden. Software-definierte Fahrzeuge beschleunigen die Verlagerung der Umsätze aus digitalen Dienstleistungen, die bis 2030 auf 1,5 Billionen US-Dollar ansteigen werden.

Auf der IAA MOBILITY wird Accenture am 06. September von 14:00 bis 14:45 Uhr auf der Hauptbühne in Halle A1 eine Podiumsdiskussion veranstalten. Unter der Leitung von Juergen Reers (Senior Managing Director Global Industry Sector Lead, Automotive & Mobility bei Accenture) werden führende Branchenexperten aus dem gesamten Mobilitätsbereich auf dem Podium sitzen. Sie werden darüber diskutieren, wie Daten und künstliche Intelligenz den Transport von Personen und Gütern neu erfinden können und wie digitale Dienste dazu beitragen können, das Markenerlebnis im, um und über das Fahrzeug hinaus zu definieren.

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